Rückblick: Fachtag Sozial im Netz – Die Zukunft der Sozialen Arbeit ist digital!

Auch wir in der Sozia­len Arbeit haben gehofft, geze­tert, gebangt und geschimpft, aber es bleibt wohl dabei: Das Inter­net geht nicht ein­fach wie­der weg! Fol­ge­rich­tig kann des­halb auch die Zukunft der Sozia­len Arbeit nur eine digi­ta­le sein. Und um die­se Zukunft gemein­sam gestal­ten zu kön­nen, tra­fen sich vor einem Monat Prak­ti­ke­rIn­nen und Stu­die­ren­de aus den Sozi­al­be­ru­fen, Sozi­al­wis­sen­schaft­le­rIn­nen und Inter­es­sier­te auf dem ers­ten Fach­tag „Sozi­al im Netz“ in Köln. Mit etwas zeit­li­chem Abstand möch­ten wir einen Schul­ter­bli­ck zurück wagen und den gemein­sa­men Tag „in die Welt ein­schrei­ben“ (vgl. Stal­der 2016: 95).

Leid­me­di­en und Refe­ren­zia­li­tät

Die zen­tra­len Impuls­vor­trä­ge des Fach­tags – also Keyno­tes, lie­be Gene­ra­ti­on Ted­talk – gin­gen aus von Raul Kraut­hau­sen, Inter­net­ak­ti­vist und Grün­dungs­mit­glied der Sozi­al­hel­den sowie dem Kultur- und Medi­en­wis­sen­schaft­ler Felix Stal­der.

Raul Kraut­hau­sen eröff­ne­te die Ver­an­stal­tung inhalt­li­ch mit einem beleb­ten Bericht aus eini­gen Jah­ren Sozial­en­ga­ge­ment und Akti­vis­mus im und mit dem Inter­net. Er beschrieb eini­ge Ker­n­ide­en und Her­an­ge­hens­wei­sen der Sozi­al­hel­den, deren Mot­to lau­tet „Ein­fach mal machen!“ und führ­te dabei sehr ein­drück­li­ch vor, wel­che Gestaltungs- und Par­ti­zi­pa­ti­ons­mög­lich­kei­ten das Netz bei­spiels­wei­se für Men­schen mit Behin­de­rung bie­tet, wenn ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment auf Digi­ta­li­tät stößt.

Felix Stal­der beschrieb dann spä­ter pas­send dazu wie in der Kul­tur der Digi­ta­li­tät bei­spiels­wei­se über Remix,Namensschild Fachtag Remake, Mas­hup und ähn­li­che Prak­ti­ken „Men­schen  (…) an kol­lek­ti­ven Ver­hand­lun­gen von Bedeu­tung teil­neh­men (…)“ (Stal­der 2016: 96) und so Kul­tur von immer mehr Akteu­rIn­nen geschaf­fen wird. Er bezeich­net dies als Refe­ren­tia­li­tät und sieht dar­in neben Gemein­schaft­lich­keit und Algo­rith­mi­zi­tät eine grund­le­gen­de Form der Digi­ta­li­tät. Den Zusam­men­hang die­ser For­men des „Kul­tur­schaf­fens“ erör­tert er in sei­nem sehr zu emp­feh­len­den Werk „Kul­tur der Digi­ta­li­tät“. Beson­ders hob Stal­der aber noch­mal hevor, dass „neue kul­tu­rel­le Rea­li­tä­ten, die heu­te unse­ren All­tag prä­gen“ eben kei­ne direk­te Fol­ge tech­no­lo­gi­scher Ent­wick­lung sei­en. Mit ande­ren Wor­t­en: Bit­te alle wie­der set­zen und beru­hi­gen – das Inter­net ist nicht schuld! (vgl. Stal­der 2016: 21)

Herr Stal­der wur­de übri­gens – einem Fach­tag zur Digi­ta­li­sie­rung ange­mes­sen – per Sky­pe für den Vor­trag zuge­schal­tet, was einen inter­es­san­ten Effekt her­bei­führ­te, den Micha­el Wesch als „con­text col­lap­se“ beschreibt: wäh­rend rund 150 Fach­tag­teil­neh­men­de im Ple­num dem anre­gen­den Vor­trag auf Lein­wand fol­gen, spricht der Spea­ker hun­der­te von Kilo­me­tern ent­fernt in sei­nem Büro zu einer Web­cam.

Ärmel hoch!

Thomas Fachtag

Prof. Dr. Tho­mas Mün­ch: „Der Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess der Sozia­len Arbeit ins Digi­ta­le hat längst begon­nen. Auf dem Fach­tag heu­te gab es den Auf­bruch 2.0. Ver­trau­en wir unse­ren jun­gen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen: Sie sind in der Digi­ta­len Welt groß gewor­den, sie haben das Exper­ten­wis­sen, wie die digi­ta­le Zukunft der Sozia­len Arbeit gehen kann.“

Die Viel­falt der ange­bo­te­nen Work­shops zur Digi­ta­li­sie­rung der Sozia­len Arbeit gab einen schüch­ter­nen Hin­weis dar­auf wie viel in der kom­men­den Zeit zu tun ist, um „das Sozia­le ins Netz“ zu brin­gen: Digi­ta­li­sie­rung im Kon­text von Woh­nungs­lo­sig­keit, Digi­ta­le Arbeit mit Senio­ren, Digi­ta­le Arbeit mit Geflüch­te­ten, Öffent­lich­keits­ar­beit Online, Digi­ta­le Sozi­al­be­ra­tung und natür­li­ch auch Arbeit mit Jugend­li­chen im Netz, um nur eini­ge The­men­fel­der zu nen­nen.

Ein wie­der­keh­ren­der Topos – das zei­gen die Aus­wer­tun­gen der Work­shops und auch Gesprä­che beim Mit­tag­es­sen – bleibt dabei: Wir müs­sen schnell und kon­kret mit der digi­ta­len Sozi­al­ar­beit begin­nen, auch auf die Gefahr hin, dass es hier und da noch hol­pert oder knirscht. Wir haben lan­ge gewar­tet und nun gibt es viel zu tun! Und so fin­det sich auf vie­len Ergeb­nis­pla­ka­ten der Work­shops das Mot­to der Sozi­al­hel­den wie­der: „Ein­fach mal machen!“

Mikro­re­bel­lion am Steh­ti­sch

Am Nach­mit­tag hat­ten die Fach­tag­teil­neh­me­rIn­nen noch­mals die Gele­gen­heit, bei den soge­nann­ten Table Ses­si­ons an Steh­ti­schen die The­men der Work­shops offen zu dis­ku­tie­ren. Der beson­de­re Effekt die­ser Metho­de, die aus der Bar­camp­kul­tur stammt, ist dass die Teil­neh­me­rIn­nen unge­zwun­gen und auf Augen­hö­he dis­ku­tie­ren kön­nen d.h. auch gege­be­nen­falls über Hier­ar­chie­ebe­nen hin­weg.

Und so ent­wi­ckel­te sich am Tisch „For­schung und Digi­ta­li­sie­rung“ eine ange­reg­te und recht typi­sche Dis­kus­si­on dar­über, wie Füh­rung und Inter­net­kul­tur nun zuein­an­der ste­hen soll­ten. Wäh­rend eini­ge lebens- und berufs­er­fah­re­ne Kol­le­gIn­nen im Kon­text von Hate­spee­ch dafür plä­dier­ten, dass weni­ge in der Hier­ar­chie hoch­an­ge­sie­del­ten Per­so­nen „Gesicht zei­gen“ und füh­ren müss­ten, plä­dier­ten die Berufs­ein­stei­ge­rIn­nen und „digi­tal nati­ves“ dafür, dass alle Mit­ar­bei­te­rIn­nen der Orga­ni­sa­ti­on im Netz die Gele­gen­heit haben soll­ten sich ver­ant­wor­tungs­voll zu bestim­men The­men zu posi­tio­nie­ren. „Wir krie­gen das hin, lasst uns auch mal machen!“, so eine Teil­neh­me­rin der Gene­ra­ti­on Y. Und so lau­tet ein Ergeb­nis der Table Ses­si­on fol­ge­rich­tig: #mehr­Ver­trau­en­in­den­Nach­wuchs.

Alter Wein und neue Schläu­che

Als eine Beson­der­heit des Fach­tags ist mit Sicher­heit zu nen­nen, dass hier auch neue digi­ta­le und ana­lo­ge For­ma­te ein­ge­bracht wur­den, die über die eines klas­si­schen Fach­ta­ges hin­aus­rei­chen: Vor­stel­lungs­run­de über hash­tags, Twit­ter­wall, Table Ses­si­ons, Sky­pe­vor­trä­ge oder auch der gemein­sa­me Hash­tag #sozia­lim­netz. Über letz­te­ren und in diver­sen Face­book­grup­pen zur Digi­ta­li­sie­rung der Sozia­len Arbeit wer­den die begon­ne­nen Dis­kus­sio­nen und Initia­ti­ven des Fach­ta­ges wei­ter­ge­führt. Denn auch wenn die Sozia­le Arbeit im Digi­ta­len neue For­men und Werk­zeu­ge gewinnt, so bleibt die „Pro­duk­ti­on von Wohl­fahrt“ doch immer noch ein Geschäft, dass mit Mühe und Beharr­lich­keit ver­bun­den ist. Um die Auf­bruchs­stim­mung, die bei „Sozi­al im Netz“ deut­li­ch zu spü­ren war, nun umzu­set­zen, heißt es also dran­blei­ben, bas­teln und wer­keln.

In die­sem Sin­ne, lie­be Sozi­al­ar­beit, auf ins #Neu­land!

 

Zum Wei­ter­le­sen:

Ver­an­stal­dungs­do­ku­men­ta­ti­on und Kon­tak­te

Pres­se­mit­tei­lung zum Fach­tag

Bei­trag im Dom­ra­dio

Lite­ra­tur:

Stal­der, Felix (2016). Kul­tur der Digi­ta­li­tät. Ber­lin.

Autor:

Kai Hau­prich

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Gesellschaft – da machst du dir (k)ein Bild von!

Sozi­al­wis­sen­schaf­ten wie die Sozio­lo­gie, Psy­cho­lo­gie, Poli­tik­wis­sen­schaft oder auch die Sozi­al­ar­beits­wis­sen­schaft beschäf­ti­gen sich teil­wei­se mit recht abs­trak­ten Begrif­fen, wie bei­spiels­wei­se „Gesell­schaft“ oder „sozia­ler Wirk­lich­keit“. Din­ge und Pro­zes­se, die wir irgend­wie jeden Tag erfah­ren, die aber doch häu­fig nur recht schwer oder unbe­frie­di­gend nüch­tern in Worte zu fas­sen sind. Als Hilfs­kon­struk­ti­on zur Beschrei­bung nut­zen die Sozi­al­wis­sen­schaf­ten – wie wir es im All­tag auch alle tun – aller­hand Bil­der, Meta­phern und Sprach­bil­der, denn

weil die Gesell­schaft als Ein­heit uner­reich­bar ist, kann deren Beschrei­bung nur eine ima­gi­nä­re sein.“ (Schlech­trie­men 2014: 26)

Und so beschreibt der Kul­tur­so­zio­lo­ge Tobi­as Schlech­trie­men den Men­schen als ein Wesen, das eben nicht nur vernunft- und sprach­be­gabt ist, son­dern als eines was „mit Bil­dern umgeht, was Bil­der pro­du­ziert, was in Bil­dern kom­mu­ni­ziert, was sich Bil­der von sich selbst, aber auch von der Welt macht.“

Des­halb ist es nicht ver­wun­der­li­ch, dass auch die Sozi­al­wis­sen­schaf­ten aller­hand „Bil­der des Sozia­len“ zeich­nen, Ver­glei­che zu kon­kre­ten Din­gen des All­tags zie­hen und Meta­phern und ande­re sprach­li­che Bil­der auf­grei­fen, um ihre Gegen­stän­de qua­si „be-​greifbar“ zu machen. Wir erin­nern uns an die ver­schie­de­nen „Zwie­bel­mo­del­le“ in Sozio­lo­gie und Psy­cho­lo­gie, an „Bedürf­nis­py­ra­mi­den“,  „Gärt­ner und Bildhauer“-Modelle in der Päd­ago­gik oder Meta­phern, wie der „Schwar­min­tel­li­genz“ zur Beschrei­bung sozia­ler Koope­ra­ti­ons­leis­tun­gen.

Die Zwiebel ist erstaunlicherweise ein häufig genutztes "Bild des Sozialen".

Die Zwie­bel ist erstaun­li­cher­wei­se ein häu­fig ver­wen­de­tes “Bild des Sozia­len”.

Auf­fäl­lig ist hier bestimmt auch, dass vie­le ein­fluss­rei­che „Grand Theo­ries“ oder berühm­te Theo­ri­en mitt­le­rer Reich­wei­te (vgl. Mer­ton 1968) mit sehr ein­präg­sa­men Bil­dern arbei­ten oder ihre zen­tra­len Ide­en in ein­drucks­vol­le Meta­phern klei­den. Man könn­te fast behaup­ten: je fass­ba­rer, all­täg­li­cher und ein­drück­li­cher das geis­tig gemal­te Bild, desto durch­set­zungs­fä­hi­ger das beschrie­be­ne Modell im wis­sen­schaft­li­chen und auch öffent­li­chen Dis­kurs.

Rudolf Schmitt (vgl. 2014: 5) nennt im sozio­lo­gi­schen Kon­text unter ande­rem das Bild der „Gesell­schaft als Orga­nis­mus“ (z.B. Durk­heim, Spen­cer, Luh­mann), „Gesell­schaft als Krieg/​Kampf“ (z.B. Marx, Hob­bes, Frank­fur­ter Schu­le) oder „Gesell­schaft als Spiel“ (z.B. Bour­dieu, Goff­mann). Als ein Bild, das in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit wie­der stär­ker „in Mode“ gekom­men ist, müss­te man hier sicher­li­ch die „Gesell­schaft als Netz­werk“ (z.B. Cas­tells, More­no, Whi­te) her­vor­he­ben. Die­se Ent­wick­lung hat mit Sicher­heit auch etwas mit den viel­fäl­ti­gen neu­en Mög­lich­kei­ten der Ver­net­zung über das Inter­net zu tun, denn auf­kom­men­de Gesell­schafts­bil­der sind stets eng mit kon­kre­ten kul­tu­rel­len und his­to­ri­schen Ent­wick­lun­gen ver­bun­den.

Solan­ge es uns die­se Bil­der ermög­li­chen Erkennt­nis bes­ser mit­zu­tei­len und solan­ge wir uns der sub­jek­ti­ven Inter­pre­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten (schär­fer noch: Inter­pre­ta­ti­ons­not­wen­dig­kei­ten) bewusst sind, scheint dies auch alles unpro­ble­ma­ti­sch zu sein. Manch­mal erzeu­gen gera­de die Kon­no­ta­tio­nen und Asso­zia­tio­nen, die die Bil­der in ande­ren wecken, ganz neue Erkennt­nis­se oder wer­fen inter­es­san­te Fra­gen auf: Wenn ich bei­spiels­wei­se „Gesell­schaft“ als ein „Spiel“ beschrei­be, gibt es dann nicht zwangs­läu­fig auch Regeln, die ein­ge­hal­ten wer­den müs­sen? Wer ist im Spiel Schieds­rich­te­rIn? Spielt jeder allei­ne oder ist das Gan­ze ein Mann­schafts­sport? Wie viel Kon­takt ist erlaubt, das heißt wo beginnt das Foul und wie wird es geahn­det? Und wo sind eigent­li­ch die gan­zen Zuschaue­rIn­nen hin, wenn doch jeder spielt?

Am Tellerrand

In sei­ner meta­pher­ana­ly­ti­schen Arbeit „Bil­der des Sozia­len“ ver­gleicht Tobi­as Schlech­trie­men (2014) die Arbei­ten von Jacob More­no, Manu­el Cas­tells und Bru­no Latour, die alle­samt Gesell­schaft im Bild des „Netz­werks“ beschrei­ben. Schlech­trie­men zeigt hier anschau­li­ch wie eng Theo­rie­bil­dung mit Bil­dern, Meta­phern und Sprach­bil­dern ver­wo­ben ist. Lese­rIn­nen wird bei der Lek­tü­re jedoch sicher­li­ch auch schnell bewusst, dass die Bil­der und Meta­phern dem Den­ken hin und wie­der Schran­ken set­zen kön­nen, denn

die sozio­lo­gi­sche Theo­rie­bil­dung über die Bil­der des Sozia­len [ist] eng an die gesell­schaft­li­chen Erfah­run­gen einer Zeit gebun­den, die sich in die­sen Bil­dern arti­ku­liert.“ (Schlech­trie­men 2014: 33)

Und damit wird eben auch nichts erklärt, „was uns nicht ins Bild passt“. Wer sich Gesell­schaft bei­spiels­wei­se wie einen mensch­li­chen Orga­nis­mus vor­stellt, der ver­fügt zwar über ein ein­drucks­vol­les Bild, weil hier das „gro­ße Gan­ze“ (Makro) im „Klei­nen“ (Mikro) wider­ge­spie­gelt wird. Das Nach­den­ken über Gesell­schaft wird dadurch aber auch unwei­ger­li­ch „starr“, denn im gedach­ten „Gesell­schafts­or­ga­nis­mus“ oder „Volks­kör­per“ hat alles sei­nen Platz und sei­ne angeb­li­ch „natür­li­che“ Ord­nung. Der ima­gi­nier­te Orga­nis­mus ist außer­dem durch sei­ne Haut nach außen hin klar abge­grenzt (vgl. Schlech­trie­men 2014: 87). Dadurch wird in die­sem „Bild des Sozia­len“ alles Neue, jede Ver­än­de­rung und alles was von außen “ein­dringt”, unwei­ger­li­ch als bedroh­li­ch emp­fun­den. Wer sich umge­kehrt „Gesell­schaft als einen fort­wäh­ren­den Kampf“ vor­stellt, ver­bringt sein Leben immer im gefühl­ten sozia­len Kriegs­zu­stand – sicher­li­ch ein eben­so gefähr­li­ches, geis­ti­ges Gefäng­nis.

Ana­tol Ste­fa­no­wit­sch beschreibt dar­über hin­aus in sei­nem Sprach­log und bei sei­nen Vor­trä­gen anhand prak­ti­scher Bei­spie­le immer wie­der deut­li­ch und eben­so unter­halt­sam, wie Sprach­bil­der sozia­le Wirk­lich­keit auch schaf­fen und fal­sche „Bil­der­rah­men“ unser Den­ken und sozia­les Han­deln bei­zei­ten unbe­wusst und unge­wollt beein­flus­sen. Das fal­sch gewähl­te Sprach­bild kann uns eben auch schnell Hand­lungs­al­ter­na­ti­ven „ent-​möglichen“, da es bestimm­te Wege nicht mehr auf­zeigt. Dies beginnt bei schrä­gen Bil­dern wie dem „Inter­net als einen Ort“ (Cyber­space) und reicht bis in kon­kre­te poli­ti­sche Debat­ten über „Flücht­lings­wel­len“ und „Gast­recht“ hin­ein.

Bilderrahmen und Sozialarbeit

Die Sozi­al­ar­beit als eine prak­ti­sche Sozi­al­wis­sen­schaft ist eben­so wie die Erzie­hungs­wis­sen­schaft sicher­li­ch eine sehr bil­der­rei­che Dis­zi­plin. Umso erstaun­li­cher, dass es in der Sozi­al­ar­beits­wis­sen­schaft – im Ver­gleich zu metho­di­schen und metho­do­lo­gi­schen Debat­ten – sel­te­ner zu tie­fer­ge­hen­den Dis­kur­sen über ver­wen­de­te Theo­rie­bil­der kommt.

Wer den falschen Bilderrahmen wählt, dem entgeht manchmal Wesentliches.

Wer den fal­schen Bil­der­rah­men wählt, dem ent­geht manch­mal das Wesent­li­che.

Zen­tra­le Sprach­bil­der in Bezug auf Fach­be­grif­fe wie „Adres­sa­tIn“, „Kli­en­tIn“ und „Kun­dIn“ sind hier sicher­li­ch aus­ge­nom­men. Sie wer­den zu Recht und auch immer wie­der (vgl. dazu auch HBS 1996) aus­führ­li­ch geführt.

Rudolf Schmitt unter­zog rund 80 Haus­ar­bei­ten von Sozi­al­ar­beits­stu­die­ren­den zum The­ma „Gesell­schaft“ einer Meta­pher­ana­ly­se und beschreibt wun­der­bar wel­che „Bil­der von Gesell­schaft“ sich die Stu­di­en­an­fän­ge­rIn­nen machen. Neben den Bil­dern von „Gesell­schaft als Behäl­ter“, „Gesell­schaft als Schich­tung“ und „Gesell­schaft als kau­sa­ler Kraft“, fin­det sich hier auch das Bild der „Gesell­schaft als eine elter­li­che Per­son“. Gera­de die bei­den letzt­ge­nann­ten las­sen schon erah­nen, wie uns (Sprach-) Meta­phern in der prak­ti­schen Arbeit auch schnell uner­wünsch­te glä­ser­ne Decken ein­zie­hen kön­nen. Denn wer sich Staat und Gesell­schaft als eine Vater– oder Mut­ter­fi­gur vor­stellt oder als eine unbeug­sa­me Kraft („Gesell­schafts­druck“), der läuft sicher­li­ch auch ein­mal Gefahr, sich gesell­schaft­li­chen Bedin­gun­gen und Zusam­men­hän­gen ohne Wider­stand zu beu­gen, sie als unver­än­der­bar und not­wen­dig zu emp­fin­den und zu erdul­den. Bour­dieu beschrieb wun­der­bar in sei­ner “männ­li­chen Herr­schaft”, wie grau­sam es sein kann, dass “Papa” für sich in Anspruch nimmt immer Recht zu haben:

Das ‘Nein’ des Vaters braucht weder aus­ge­spro­chen noch gerecht­fer­tigt zu wer­den. Es gibt für ein ver­nünf­ti­ges Wesen (‘Sei ver­nünf­tig’, ‘spä­ter wirst du das ver­ste­hen’) kei­ne ande­re Wahl, als sich umstands­los der höhe­ren Macht der Din­ge zu beu­gen. Das väter­li­che Wort ist in sei­ner mit­leid­lo­sen Für­sor­ge nie schreck­li­cher, als wenn es sich spon­tan in die Logik der pro­phy­lak­ti­schen Vor­aus­sa­ge ein­ord­net.” (Bour­dieu 2005: 126)

Was aus dem Kaffeefilter tröpfelt

… wenn man sich mit der genann­ten Lite­ra­tur (Schlech­trie­men 2014; Schmitt 2014, Ste­fa­no­wit­sch) befasst, ist sicher­li­ch ein stär­ke­res Bewusst­sein dafür, wie die „Bil­der des Sozia­len“ in All­tag, Wis­sen­schaft und auch sozi­al­ar­bei­te­ri­scher Pra­xis Ein­fluss auf unser Den­ken und Han­deln neh­men kön­nen. Wer in der prak­ti­schen Sozi­al­wis­sen­schaft unre­flek­tiert die fal­schen „Bil­der­rah­men“ wählt, setzt dem Den­ken und Han­deln mit­un­ter unbe­wusst, ungüns­ti­ge oder viel­leicht auch gefähr­li­che Gren­zen. Neben metho­di­schen und metho­do­lo­gi­schen Debat­ten, die je nach Feld doch eine beträcht­li­che Domi­nanz in sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Fach­dis­kur­sen gewin­nen kön­nen, wäre es manch­mal bestimmt genauso „ertrag­reich“ mehr Aus­ein­an­der­set­zun­gen dar­über zu füh­ren, mit wel­chen Bil­dern wir „Gesell­schaft“ und „sozia­le Wirk­lich­keit“ beschrei­ben. Dass die­se auch mal hef­tig wer­den kön­nen, ist bestimmt weder ver­wun­der­li­ch, noch muss es Schlim­mes bedeu­ten, solan­ge es denn kol­le­gi­al fair bleibt.

Denn wie wir von Bour­dieu bild­li­ch beschrie­ben wis­sen: „Sozio­lo­gie ist ein Kampf­sport!“

Fragt sich nur wel­cher.

Zum Wei­ter­le­sen:

Schlech­trie­men, Tobi­as (2014). Bil­der des Sozia­len. Das Netz­werk in der sozio­lo­gi­schen Theo­rie. Pader­born: Wil­helm Fink Ver­lag.

Literatur:

Bour­dieu, Pier­re (2005). Die männ­li­che Herr­schaft. Frank­furt: Suhr­kamp.

Hans Böck­ler Stif­tung (1996). Vom „Kli­en­ten“ zum „Kun­den“. Die markt­wirt­schaft­li­che Qua­dra­tur des sozi­al­staat­li­chen Krei­ses. Ham­burg.

Mer­ton, Robert K. (1968). Soci­al theo­ry und soci­al struc­tu­re. New York: Free Press.

Schmitt, Rudolf (2014). Bil­der der Gesell­schaft von Stu­die­ren­den de Sozia­len Arbeit: Das Eltern-​Modell und ande­re Her­aus­for­de­run­gen für sozio­lo­gi­sches Wis­sen.

Autor:

Kai Hau­prich

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Oh du sinnlose? – Ein Lobwort auf das Weihnachtsritual.

Alle Jah­re wie­der – mit fast schon erschre­cken­der Regel­mä­ßig­keit – wer­den wir erneut vom Weih­nachts­fest über­rascht. Die einen ver­setzt die Vor­weih­nachts­zeit in win­ter­li­che Advent­seu­pho­rie. Bereits am ers­ten Dezem­ber hän­gen die bun­ten Lich­ter­ket­ten, glim­men die Räu­cher­männ­chen und duf­ten die Plätz­chen nach Omas Geheim­re­zep­tur im gan­zen Haus. Bei­nah gene­ral­stabs­mä­ßig wer­den hand­ge­mal­te Gruß­kar­ten und vor­weih­nacht­li­che Care-​Pakete mit Spritz­ge­bä­ck und Pra­li­nen an lie­be Bekann­te in die gan­ze Repu­blik hin­aus­ge­schickt.

Die urba­nen Weih­nacht­fest­kri­ti­ke­rIn­nen hin­ge­gen stel­len jähr­li­ch die Sys­tem­fra­ge: Wozu Weih­nach­ten? War­um fei­ern wir die­ses Fest, das sich zuneh­mend von sei­nen ursprüng­li­chen, reli­giö­sen Wur­zeln löst, über­haupt noch? Rei­ner kapi­ta­lis­ti­scher Kon­sum­ter­ror – so eine geläu­fi­ge, bit­te­re Ana­ly­se. Außer­dem läh­men der advent­li­che Schlen­dri­an und der Müßig­gang zwi­schen Weih­nach­ten und Neu­jahr die gan­ze Repu­blik.image4

Einem weih­nachts­lie­ben­den Sozi­al­wis­sen­schaft­ler trei­ben Mono­lo­ge die­ser Art bis wei­len die Zor­nes­rö­te ins Gesicht – viel­leicht hat aber auch der Glüh­wein sei­nen Teil zu den roten Bäck­chen bei­ge­tra­gen. Sobald er sich aus dem Weih­nachts­markt­ge­drän­gel befrei­en kann, fährt er – den Leb­ku­chen noch zwi­schen den Zäh­nen – nach Hau­se, um mit eth­no­lo­gi­scher Lite­ra­tur sein Fest zu ver­tei­di­gen und der Fra­ge nach­zu­ge­hen: Ist Weih­nach­ten wirk­li­ch ein sinn­lo­ses Fest?

Das Weih­nachts­fest als kalen­da­ri­sches Ritual

Weihnachtsmann

Der Weih­nachts­mann – nur eine Erfin­dung von Coca Cola? Nicht ganz.

Wer glaubt Weih­nach­ten sei ein rein reli­giö­ser, christ­li­cher Brauch, der irrt, denn das Weih­nacht­ri­tual wur­de von sehr vie­len unter­schied­li­chen kul­tu­rel­len Tra­di­tio­nen beein­flusst (vgl. Braun 2010). Ein „ers­tes“ oder „rich­ti­ges“ Weih­nach­ten lässt sich his­to­ri­sch nur sehr schwer aus­ma­chen. Folgt man Karl-​Heinz Brauns schö­nem Arti­kel zu Weih­nach­ten (2010), so wur­de das ers­te Weih­nacht­fest von den West­kir­chen bereits im 4. Jahr­hun­dert gefei­ert. Der Son­nen­kult und die Son­nen­sym­bo­lik frü­he­rer Kul­tu­ren aus Ägyp­ten, Grie­chen­land und Rom wur­den dabei auf Jesus Chris­tus über­tra­gen ­– wie bei­spiels­wei­se „der Geburts­tag der unbe­sieg­ba­ren Son­ne“, der nach Wunsch von Kai­ser Aure­li­an am 25. Dezem­ber gefei­ert wur­de (vgl. Braun 2010: 6). Der Weih­nachts­kranz soll eine Erfin­dung des Theo­lo­gen und Sozi­al­päd­ago­gen Johann Hein­rich Wichern sein, der armen Kin­dern mit einem Kranz ­– ein Wagen­rad,  dar­auf 20 rote und 4 wei­ße Ker­zen ­– anzei­gen woll­te, wann end­li­ch Hei­lig­abend ist. Der Wichern­kranz schli­ch sich also erst im 19. Jahr­hun­dert in deut­sche Wohn­zim­mer und wur­de fes­ter Bestand­teil der Advents­zeit (vgl. ebd.: 6). Der „Lich­ter­baum“ – für vie­le das ritu­el­le Zen­trum des Weih­nachts­kults – geht auf eine aris­to­kra­ti­sche Tra­di­ti­on aus dem 18. Jahr­hun­dert zurück. Erst die Erfin­dung der Eisen­bahn, die schnau­fend Tan­nen­bäu­me durch ver­schnei­te Land­schaf­ten in die Städ­te tra­gen konn­te, mach­te Weih­nachts­bäu­me für die brei­te Mas­se ver­füg­bar (vgl. ebd.: 8).

Mit christ­li­cher Reli­gio­si­tät haben vie­le der ritu­el­len Bestand­tei­le unse­res Weih­nachts­fests also zunächst nur wenig zu tun. Bis zur Refor­ma­ti­on fei­er­te man in west­li­chen Kir­chen vor allem den Namens­tag des Niko­laus von Myra. Mar­tin Luther über­trug die Auf­ga­be des Kinder-​Beschenkens spä­ter dem „Christ­kind“ (vgl. ebd.: 8). Der Weih­nachts­mann wur­de wohl nicht – wie eine urba­ne Legen­de es behaup­tet – von Coca-​Cola erfun­den, jedoch wirbt die Fir­ma seit den 1930er Jah­ren mit die­ser gut­mü­ti­gen, rausch­bär­ti­gen Vater­fi­gur. By the way – wir sehen hier ein wei­te­res Mal: ohne Ein­flüs­se „frem­der Kul­tu­ren“ wäre unser „christ­li­ches Abend­land“, das eini­gen neu­er­dings so am Her­zen liegt, eine ziem­li­ch trau­ri­ge Ver­an­stal­tung.

Weihnachten. Ein kalendarische Ritual.

Weih­nach­ten. Ein kalen­da­ri­sches Ritual.

Doch wozu fei­ern reli­giö­se wie nicht-​religiöse Zeit­ge­nos­sIn­nen dann Weih­nach­ten? Das Weih­nachts­fest kann – mit eth­no­lo­gi­scher Bril­le auf der Nase – zunächst als ein sozia­les Ritual beschrie­ben wer­den. Riten und Ritua­le fin­den sich in allen Gesell­schaf­ten. Sie sind für Men­schen wich­tig, „da sie ihnen die Mög­lich­keit bie­ten, mit grund­le­gen­den Pro­ble­men der Exis­tenz umzu­ge­hen, zu denen etwa das Bedürf­nis nach Sicher­heit, Ord­nung und Erklä­run­gen genauso gehö­ren, wie auch die mensch­li­che Sterb­lich­keit und die Siche­rung des Über­le­bens” (Wol­berg 2002: 5).

Neben ereig­nis­be­zo­ge­nen Ritua­len, wie bei­spiels­wei­se Initia­ti­ons­ri­ten, die den Über­gang des Kin­des ins Erwach­se­nen­al­ter mar­kie­ren, fin­den sich auch in allen Kul­tu­ren kalen­da­ri­sche Ritua­le, die das Jahr struk­tu­rie­ren – bei­spiels­wei­se das Weih­nachts­fest (vgl. ebd.). Auch die­ses ist hoch­gra­dig „sinn-​stiftend“, weil es unter ande­rem unse­re Wer­te und Nor­men über Sym­bo­li­ken und Prak­ti­ken sicht­bar wer­den lässt und damit „repro­du­ziert“. „Sinn“ kann sozi­al­wis­sen­schaft­li­ch als Zusam­men­hang inter­pre­tiert wer­den:

Davon dass etwas ‚Sinn macht‘, ist immer dann die Rede, wenn Zusam­men­hän­ge erkenn­bar wer­den, wenn also ein­zel­ne Din­ge, Men­schen, Bege­ben­hei­ten, Erfah­run­gen nicht iso­liert für sich ste­hen, son­dern in irgend­ei­ner Wei­se auf­ein­an­der bezo­gen sind.“ (Schmid 2007: 45)

So gese­hen ist das Weih­nachts­fest qua­si ein „sozia­les Destil­lat“ des­sen, wie Men­schen sich seit hun­der­ten von Jah­ren „die Welt erklä­ren“ und ihr Zusam­men­le­ben gestal­ten. Oft fehlt uns nur der ent­spre­chen­de Abstand zum eige­nen Ritus, um den „Sinn“ oder die Sinn­zu­sam­men­hän­ge klar zu erken­nen.

Ingrid Kel­ler­mann und Fumio Ono (2011), die eine Patchwork-​Familie bei ihrem ers­ten gemein­sa­men Weih­nach­ten eth­no­lo­gi­sch beglei­te­ten, beschrei­ben ein­drück­li­ch, wie die selbst­ge­wähl­ten Ritua­le und Prak­ti­ken des Fes­tes die neue Fami­lie zusam­men­brin­gen.

[Ritua­le] füh­ren die betei­lig­ten Men­schen dazu, sich auf­ein­an­der zu bezie­hen. Für die Erzeu­gung fami­liä­ren Glücks sind sie von zen­tra­ler Bedeu­tung. Ihre Per­for­ma­ti­vi­tät schafft sozia­le For­men des Glücks.“ (Kel­ler­mann und Ono 2011: 20)

Sinn liegt auf dem Gaben­ti­sch

Wenn Sozi­al­wis­sen­schaft­le­rIn­nen das Wort „Gabe“ hören, klin­geln alle Alarm­glo­cken und Gesprächs­part­ne­rIn­nen kön­nen sich auf einen wort­rei­chen Mono­log zu den Arbei­ten von Mar­cel Mauss gefasst machen. Die­ser unter­such­te eth­no­lo­gi­sch die sozia­le Funk­ti­on des Tau­schens und Han­delns – oder noch abs­trak­ter – die der „Gabe“. Das Geben und Neh­men ist bei Mauss (1968) ein zen­tra­ler Modus von Ver­ge­sell­schaf­tung: Zusam­men gehö­ren jene Men­schen, die ein­an­der wech­sel­sei­tig Gaben machen und von­ein­an­der Gaben anneh­men. Dies beginnt beim „sich die Hand geben“ und endet bei regel­rech­ten “Geschen­kor­gi­en” unterm Christ­baum. Im Ver­ständ­nis von Mauss resul­tiert aus jeder ange­nom­me­nen Gabe – wie zum Bei­spiel einem Weih­nachts­ge­schenk – die Ver­pflich­tung zu einer Gegen­ga­be.

Die Gabe ist also etwas, das gege­ben wer­den muss, das emp­fan­gen wer­den muss und das anzu­neh­men den­no­ch zugleich gefähr­li­ch ist. Das rührt daher, dass die gege­be­ne Sache selbst eine wech­sel­sei­ti­ge und unwi­der­ruf­li­che Bin­dung schafft, vor allem dann, wenn es sich um eine Nah­rungs­ga­be han­delt […] So darf man z. B. auch nicht mit sei­nem Feind essen.“ (Mauss 1968: 147)

Im Umkehr­schluss zum letz­ten Satz ergibt sich auch die Funk­ti­on des gemein­sa­men Weih­nachts­es­sens – mit oder ohne Kar­tof­fel­sa­lat und Würst­chen. Mauss beschreibt, dass in allen Kul­tu­ren das Nicht-​Erwidern (oder Erwidern-​Können) von Gaben mit magi­schen Vor­stel­lun­gen des Unheils ver­bun­den sind oder dass es die Ehre ver­letzt, Gaben nicht zu erwi­dern (vgl. ebd.: 152). Das Weih­nachts­fest kann als eine Art des Pot­latschs – damit meint Mauss ein rau­schen­des Fest des Schen­kens (vgl. ebd.: 23) – ver­stan­den wer­den:

so riva­li­sie­ren z. B. wir selbst bei unse­ren Weih­nachts­ge­schen­ken, Par­ties, Hoch­zeits­fei­ern, Ein­la­dun­gen, und wir füh­len uns noch heu­te ver­pflich­tet, uns zu revan­chie­ren“ (Mauss 1968: 25)

Der Ver­su­ch ein­an­der „an die­sem Weih­nach­ten mal nichts zu schen­ken“, den eini­ge Fami­li­en jedes Jahr aufs Neue ver­su­chen, schei­tert – zumin­dest aus eth­no­lo­gi­scher Per­spek­ti­ve – auch dar­an, dass Geben und Schen­ken Zusam­men­ge­hö­rig­keit schaf­fen sol­len und schaf­fen. Gera­de denen kei­ne Gabe zu machen, die uns nahe ste­hen, ist damit ein sozia­les Para­do­xon.IMG_3099

Doch auch im Ritual des Schen­kens zei­gen und repro­du­zie­ren sich reli­giö­se und gesell­schaft­li­che Wer­te und Bil­der wie Karl-​Heinz Braun auf­zeigt: Denn so wie Gott der Mensch­heit sei­nen Sohn „schenkt“, so schen­ken die Erwach­se­nen an Weih­nach­ten in einem ver­ti­ka­len Pro­zess – von oben nach unten – ihren Kin­dern (vgl. Braun 2010: 8). Aber eben nur dann, wenn die­se sich wür­dig gemacht haben; wenn sie „schön artig“ waren. Auch die rei­chen „Herr­schaf­ten“ beschenk­ten im Mit­tel­al­ter nur die „guten Armen“ (a.a.O.). Und so taucht die Figur des „unwür­di­gen“ Armen hier erneut in der Sozi­al­wis­sen­schaft auf und sitzt dies­mal mit lee­ren Hän­den unterm Christ­baum.

Mach mal Pau­se.

Für vie­le Men­schen ist die Weih­nachts­zeit und die Zeit „zwi­schen den Tagen“ eine ver­lo­re­ne. Die Fei­er­ta­ge und erzwun­ge­ne Ent­schleu­ni­gung „läh­men“ den gan­zen All­tag und Betrieb ­– so der Zorn vie­ler „Grin­che“. Doch gen­au damit erfüllt das „Fest der Besinn­lich­keit“ eine wei­te­re wich­ti­ge Funk­ti­on für die Gesell­schaft und das Indi­vi­du­um:

Pau­sen sind wich­tig, um sich in die­ser Welt zu ori­en­tie­ren, um zur Besin­nung zu kom­men, also, ohne Pau­sen wären wir besin­nungs­los und die Welt wird sinn­los, weil der Sinn sich in den Pau­sen ent­wi­ckelt. Der Sinn ent­wi­ckelt sich dann, wenn ich auf das, was ich getan habe, das, was ich auch erlebt habe, drauf­schaue.“ (Karl­heinz Geiß­ler zitiert in Wehr­le und Glaap 2009)

Schneemann

Ein Recht auf Gemüt­lich­keit?

Damit ist die Pau­se also kei­nes­wegs als ein „Nichts“ zu ver­ste­hen. Sie ist ledig­li­ch der pas­si­ve Teil von Akti­vi­tät, ohne den kei­ne Akti­vi­tät als sol­che zu erken­nen wäre (vgl. ebd.). Mal so am Ran­de: eine argu­men­ta­ti­ve Steil­vor­la­ge für alle Pro­kras­ti­na­to­rIn­nen!

In Groß­bri­tan­ni­en unter­nahm man im Zuge des ers­ten Welt­kriegs den Ver­su­ch, den Sonn­tag als Ruhe­tag abzu­schaf­fen, um die Pro­duk­ti­vi­tät zu stei­gern – Kon­se­quenz: Stö­run­gen im Arbeits­ab­lauf, Unzu­frie­den­heit der Arbei­te­rIn­nen und sin­ken­de Pro­duk­ti­vi­tät (vgl. ebd.). Und so beschloss auch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor eini­gen Jah­ren, mit Bezug­nah­me auf Arti­kel 139 der Wei­ma­rer Ver­fas­sung, dass Fei­er­ta­ge wie der Sonn­tag „als Tage der Arbeits­ru­he und der see­li­schen Erhe­bung gesetz­li­ch geschützt“ blei­ben (vgl. Braun 2010: 7). Weih­nachts­kri­ti­ke­rIn­nen, die sich hier am reli­giö­sen Bezug stö­ren, denen kann man auch mit Cice­ro begeg­nen, der gesagt haben soll:

Mir scheint näm­li­ch selbst ein frei­er Bür­ger nicht wirk­li­ch frei zu sein, der nicht irgend­wann auch ein­mal ein­fach nichts tut.“ (Cice­ro)

Auch in die­ser Hin­sicht sind das Weih­nachts­fest und die „trä­ge“ Weih­nachts­zeit kei­nes­wegs sinn-​los: denn unterm Baum kom­men wir erst wie­der zur „Be-​Sinnung“. Vor­aus­ge­setzt, dass dort gera­de nie­mand träl­lert oder Block­flö­te spielt.

Plan B (WL)

Wer nun noch immer nicht davon über­zeugt wer­den konn­te, dass Weih­nach­ten kei­ne sinn-​lose Zeit ist, der braucht – das gebe ich zu – ein ande­res Kon­zept. Eine gelun­ge­ne Hand­rei­chung, um sich wäh­rend der Tage mit Humor über Was­ser zu hal­ten, wäre das Buch „Bernd Stauss opti­miert Weih­nach­ten – Eine Anlei­tung zur Besinnlichkeits-​Maximierung“ (2009). Der habi­li­tier­te Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor für Betriebs­wirt­schafts­leh­re lie­fert hier aller­hand prak­ti­sche Tech­ni­ken, um Weih­nach­ten effek­ti­ver und effi­zi­en­ter zu gestal­ten, denn „mit ein­fa­chen, rea­li­täts­na­hen betriebs­wirt­schaft­li­chen Metho­den kön­nen die weih­nacht­li­chen Planungs-, Entscheidungs-, Durchführungs- und Kon­troll­pro­zes­se wesent­li­ch effi­zi­en­ter gestal­tet wer­den“ (Stauss 2009: 7). Hier­zu zäh­len Metho­den wie „Weih­nachts­ziel­pla­nung mit Hil­fe der Christ­mas Score­card (CSC)“, die „bedürf­nis­ge­rech­te Geschenk­wunscher­mitt­lung mit Hil­fe der Con­joint Ana­ly­se“ oder auch der „Geschen­ke­ein­kauf mit­tels Gift Tar­get Cos­ting“.

Allen ande­ren wün­sche ich eine besinn­li­che und erhol­sa­me Weih­nachts­zeit. Pfle­gen Sie mit ihren liebs­ten Men­schen die schöns­ten Weih­nachts­ri­tua­le und lau­schen Sie den Klän­gen die­ses Meis­ter­werks zeit­ge­nös­si­scher musi­ka­li­scher Weih­nachts­kunst!

Zum Wei­ter­le­sen und Anschau­en:

Braun, Karl-​Heinz (2010). „Weih­nach­ten. Eine zwie­späl­ti­ge sozia­le Sym­bol­ge­schich­te“, Sozi­al Extra, 34 (11−12), S. 6–11.

Ent­ho­ven, Rapha­el (2009). Gabe. Raphaël Ent­ho­ven emp­fängt Andris Breit­ling. Arte: Phi­lo­so­phie.

Wulf, Chris­to­ph; Suzu­ki, Sho­ko; Zir­fas, Jörg; Kel­ler­mann, Ingrid; Inoue, Yoshi­t­aka; Ono, Fumio; Taken­aka, Nanae (2011). Das Glück der Fami­lie. Wies­ba­den: VS Ver­lag für Sozi­al­wis­sen­schaf­ten.

Lite­ra­tur:

Kel­ler­mann, Ingrid und Ono, Fumio (2011). Das Weih­nachts­fest als Brü­cken­schlag. In: C. Wulf, S. Suzu­ki; J. Zir­fas; I. Kel­ler­mann; Y. Inoue; F. Ono und N. Taken­aka (Hrsg.), Das Glück der Fami­lie (S. 73–107). Wies­ba­den: VS Ver­lag für Sozi­al­wis­sen­schaf­ten.

Mauss, Mar­cel (1968). Die Gabe. Form und Funk­ti­on des Aus­tauschs in archai­schen Gesell­schaf­ten. Frank­furt am Main: Suhr­kamp.

Schmid, Wil­helm (2007). Glück. Alles, was Sie dar­über wis­sen müs­sen, und war­um es nicht das Wich­tigs­te im Leben ist. Frank­furt am Main: Insel-​Verlag.

Stauss, Bernd (2009). Opti­miert Weih­nach­ten. Eine Anlei­tung zur Besinnlichkeits-​Maximierung. Wies­ba­den: Gab­ler Ver­lag.

Wehr­le, Clau­dia und Glaap, Oli­ver (2009). HR 2 Wis­sens­wert. Vom Ver­schwin­den der Pau­se. Hes­si­scher Rund­funk. Sen­dung vom 18.12.2009.

Wol­berg, Raphae­la (2002). Riten und Ritua­le. Der Sprung über die Rin­der. Ein Initia­ti­ons­ri­tus der Hamar in Südwest-​Äthiopien (Semi­nar­ar­beit). Uni­ver­si­tät Trier: Fach­be­reich Eth­no­lo­gie.

Autor

Kai Hau­prich

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Die heiße Schlacht um ein kaltes Medium

Die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung löst tief­grei­fen­de gesell­schaft­li­che Ver­än­de­rung aus. Dabei ist das Inter­net schon lan­ge nicht mehr nur noch das Medi­um der Kat­zen­fo­tos und übri­gen Belang­lo­sig­kei­ten. Es wird über das „Inter­net of Things“ qua­si zu einer neu­en Infra­struk­tur: Radio über Spo­ti­fy, Fern­se­hen über Net­flix, die Strom­zäh­ler wer­den per Smart­pho­ne regel­bar und ein nicht uner­heb­li­cher Teil der Büro­tä­tig­kei­ten wird in der Cloud abge­ar­bei­tet. Selbst­fah­ren­de Autos ste­hen in den Start­lö­chern!Roboter

Der Umstand, dass ein Leben ohne das World Wide Web in weni­gen Jah­ren so unvor­stell­bar erscheint wie ein All­tag ohne elek­tri­sches Licht oder Auto­mo­bil (velo­phi­le Zeit­ge­nos­sen dür­fen ger­ne auch eine Welt ohne Fahr­rad ima­gi­nie­ren), spal­tet oft in zwei Lager: tech­nik­be­geis­ter­te Inter­ne­teu­pho­ri­ker schwär­men von den Mög­lich­kei­ten des Net­zes, den Pla­ne­ten nun „offe­ner und gerech­ter“ zu machen, gleich­zei­tig sor­gen sich selbst­er­nann­te „Tech­nik­kri­ti­ker“ um eine Welt „in der alle stän­dig nur auf die­se Din­ger glot­zen“. Wäh­rend ers­te­re häu­fig eine gewis­se quasi-​prophetische Arro­ganz umgibt, nut­zen letz­te­re eine alte Immu­ni­sie­rungs­tak­tik: Wer sich selbst die Eigen­schaft zuschreibt beson­ders kri­ti­sch zu sein, lässt Dis­kus­si­ons­part­ne­rIn­nen nur noch die Welt der Nai­vi­tät. Unterm Strich: eine auf­ge­la­de­ne, wenig frucht­ba­re und für alle Betei­lig­ten nerv­rau­ben­de Debat­te, die schon so man­ches sonnta­g­li­che Fami­li­en­früh­stück in ein digi­ta­les Schlacht­feld ver­wan­delt hat. Eine geeig­ne­te Medi­zin dage­gen kann die Lek­tü­re von Mar­shall McLu­hans „Magi­schen Kanä­len“ sein, die der hit­zi­gen Debat­te eine medi­en­his­to­ri­sche und medi­en­theo­re­ti­sche Decke ein­zieht.

Bücher, die die Welt ver­än­dern?

Für den kana­di­schen Medi­en­theo­re­ti­ker Mar­shall McLu­han ist jedes Medi­um als eine Erwei­te­rung des Men­schen bzw. eine Aus­wei­tung sei­ner Sin­ne oder Fähig­kei­ten zu ver­ste­hen: das Fern­glas ist eine Erwei­te­rung des Auges, das Rad eine Erwei­te­rung des Fußes (vgl. McLu­han 1964: 118), das Tele­fon eine Erwei­te­rung der Stim­me und des Hör­sinns (vgl. McLu­han 1995: 219). McLu­han arbei­te­te also mit einem sehr wei­ten Medi­en­be­griff. Das Inter­net kann­te der 1980 ver­stor­be­ne Medi­en­ana­ly­ti­ker noch nicht, pro­gnos­ti­zier­te aber bereits:

Sowohl Com­pu­ter als auch hoch­ent­wi­ckel­te Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me wer­den wahr­schein­li­ch in Net­zen geschal­tet wer­den, um für 80 Pro­zent der Bevöl­ke­rung Arbeits­plät­ze zu schaf­fen, sowie den Über­gang von einer auf Schwer­in­dus­trie auf­ge­bau­ten Wirt­schaft zu einer dienst­leis­tungs­ori­en­tier­ten zu voll­zie­hen, deren Mit­tel­punkt die Bedürf­nis­se des Ein­zel­ver­brau­chers bil­den wer­den.“ (McLu­han 1995: 120)

Über die­je­ni­gen, die ver­söhn­li­ch beto­nen, dass es beim Wert eines Medi­um pri­mär dar­auf ankä­me zu wel­chen Zwecken man es letzt­li­ch ein­set­zen möch­te, spot­te­te der Kana­di­er, der heu­te als einer der ein­fluss­reichs­ten Medi­en­theo­re­ti­kern gilt. Er ent­geg­ne­te: „In die­ser Behaup­tung […] steckt ein­fach gar nichts, was einer genaue­ren Über­prü­fung stand­hiel­te, denn es ent­geht ihm [einem Ver­tre­ter die­ser Posi­ti­on] das Wesen des Medi­ums […]“ (McLu­han 1964: 21). Möch­te man unter­su­chen wel­che gesell­schaft­li­chen Ver­än­de­run­gen eine neue Tech­no­lo­gie aus­löst, so kommt es nicht auf den Inhalt an, den sie trans­por­tiert, son­dern auf die Eigen­schaf­ten und Wir­kun­gen des Medi­ums an sich. Was wird erwei­tert und was wird begrenzt? Die­ser Gedan­ke ver­dich­tet sich in einem Satz mit dem McLu­han klas­si­scher­wei­se zitiert wird:

Das Medi­um ist die Bot­schaft.” (McLu­han 1964: 17)

Es kommt im Kern also weni­ger dar­auf an, ob die Anzahl der „gehalt­vol­len“ Bücher die „Schund­li­te­ra­tur“ über­wiegt. Was unse­re Gesell­schafts­form grund­le­gend ver­än­dert hat, war der Buch­druck an sich. Ohne Schrift, pho­ne­ti­sches Alpha­bet und Druck wären Ver­wal­tung, Hoch­spra­che und „ein his­to­ri­sches Bewusst­sein“ undenk­bar (vgl. McLu­han 1964; 1995). Und so wur­de der Druck im 16. Jahr­hun­dert – aus medi­en­theo­re­ti­scher Sicht – eben auch zur Grund­la­ge von Natio­na­lis­mus einer­seits und Indi­vi­dua­lis­mus ande­rer­seits (vgl. McLu­han 1964: 31).

Alles bleibt beim Alten, das heißt: alles wird neu!

Die Lek­tü­re von McLu­hans Schrif­ten lässt all jene wie­der bes­ser schla­fen, die sich davor ängs­ti­gen, dass Bücher, Hand­schrift und ande­re Kul­tur­tech­ni­ken durch die Digi­ta­li­sie­rung ver­schwin­den könn­ten und so die Gesell­schaft ernst­haf­ten Scha­den nimmt. Denn alte Medi­en wer­den bei McLu­han nicht ein­fach ersetzt; viel­mehr beinhal­tet jedes neue Medi­um eine Viel­zahl von älte­ren kul­tu­rel­len Errun­gen­schaf­ten (vgl. McLu­han 1964: 18).

Wie bei einer Matrjoschka enthält jedes neue Medium zahlreiche alte Medien.

Wie bei einer Matrjosch­ka, ent­hält jedes neue Medi­um zahl­rei­che alte Medi­en.

Ähn­li­ch wie bei einer rus­si­schen Matrjosch­ka hat das Tablet – by the way: das hap­tischs­te Medi­um der Welt – ganz aktu­ell das Papier­buch „ver­schluckt“. Das Buch wie­der­um beinhal­tet den Druck, der Druck die Schrift, die Schrift das pho­ne­ti­sche Alpha­bet, das Alpha­bet die Spra­che und so wei­ter. Ein Trost für alle Biblio­phi­len: Die Gene­ra­ti­on Y passt gut auf eure Lieb­lin­ge auf – ver­spro­chen!

Die Erfin­dung und Ver­brei­tung eines neu­en Medi­ums hat jedoch auch per­sön­li­che, sowie gesell­schaft­li­che Kon­se­quen­zen, die zu Rei­bun­gen füh­ren und regel­recht Schmer­zen berei­ten. McLu­han ist also kei­nes­wegs als tech­ni­ke­u­pho­ri­scher Medi­en­na­iv­ling zu lesen! Jedes neue Medi­um, ver­stan­den als Aus­wei­tung oder Erwei­te­rung des Kör­pers, führt auch immer zu einer „Selbstam­pu­ta­ti­on“ (vgl. McLu­han 1994: 58). Ein Scho­ck durch die plötz­li­che Erwei­te­rung führt zu einer Art Betäu­bung als Schutz­me­cha­nis­mus (Nar­ko­se):

Die Aus­wahl eines ein­zi­gen Sin­nes zur star­ken Sti­mu­lie­rung oder eines ein­zi­gen erwei­ter­ten, iso­lier­ten oder »ampu­tier­ten« Sin­nes in der Tech­nik ist zum Teil der Grund für die betäu­ben­de Wir­kung, die die Tech­nik als sol­che auf jene aus­übt, die sie geschaf­fen haben und sie ver­wen­den.“ (McLu­han 1964: 60)

Medi­en­fein­de, die jetzt vom Stuhl auf­sprin­gen und rufen „Ich hab’s gewusst!“ mögen sich bit­te noch­mal kurz hin­set­zen. McLu­han geht es weni­ger dar­um, dass bestimm­te Medi­en „dumm machen“. Er sen­si­bi­li­siert in den „Magi­schen Kanä­len“ und vor allem in „The Glo­bal Vil­la­ge“ Lese­rIn­nen in ers­ter Linie dafür, dass jedes neue Medi­um bestimm­te Sin­ne betont und in den Vor­der­grund rücken lässt. Jede Erwei­te­rung durch ein Medi­um löst dabei bestimm­te gesell­schaft­li­che Ver­än­de­run­gen aus über die Umge­stal­tung der Sin­nes­kom­po­si­ti­on. McLu­han (1995: 218) dekli­niert nach einem Vie­rer­sche­ma (sei­ne berühm­te Tetra­de) ver­schie­de­ne Medi­en – hier das Flug­zeug – in Bezug auf die Ver­än­de­run­gen, die sie aus­lö­sen:

A Erwei­tert die ver­ti­ka­len wie hori­zon­ta­len Bewe­gungs­mög­lich­kei­ten.
B Ver­al­tet das Rad und die Stra­ße, die Eisen­bahn und das Schiff.
C Bringt die Vogel­per­spek­ti­ve ver­bun­den mit der Aura der Minia­tu­ri­sie­rung zurück.
D Kehrt um in gelei­te­te Geschos­se. Ver­wan­delt den Pla­ne­ten in eine aus­ge­dehn­te Stadt: urb orbs.”

In glei­cher Wei­se ver­än­dert die Eisen­bahn unser Ver­hält­nis zu Raum und Zeit; die Schrift löst sprach­münd­li­che Kul­tu­ren ab; das Bar­geld ver­al­tet den Tau­sch und die Klei­dung – eine Erwei­te­rung der Haut – „schal­tet das Kli­ma aus“ (vgl. McLu­han 1995: 214). Jedes neue Medi­um wird dabei beglei­tet von eupho­ri­schen Heils­ver­spre­chen einer­seits und kul­tur­pes­si­mis­ti­scher Kri­tik ande­rer­seits, wie Kat­rin Pas­sig sie in ihren schö­nen Bei­trä­gen zu den Stan­dard­si­tua­tio­nen der Tech­no­lo­gie­be­geis­te­rung und Tech­nik­kri­tik beschreibt. Eine fan­tas­ti­sche Grab­bel­kis­te für Fana­ti­ker mit einer Aus­wahl völ­lig unspe­zi­fi­scher und des­halb zeit­lo­ser Pseu­do­ar­gu­men­te!

HTML und das Glo­ba­le Dorf

McLu­han selbst hat die Geburt des Inter­nets durch die Hyper­text Mar­kup Lan­gua­ge von Sir Tim Berners-​Lee wie gesagt nicht mehr mit­er­le­ben kön­nen. Und trotz­dem beschrieb er bereits etwas, das uns durch Whats­app, Face­book und Sky­pe tag­täg­li­ch vor Augen gestellt wird:

Elek­tri­sch zusam­men­ge­zo­gen ist die Welt nur mehr ein Dorf. Die elek­tri­sche Geschwin­dig­keit, mit der alle sozia­len und poli­ti­schen Funk­tio­nen in einer plötz­li­chen Implo­si­on koor­di­niert wer­den, hat die Ver­ant­wor­tung des Men­schen in erhöh­tem Maß bewusst wer­den las­sen.“ (McLu­han 1964: 13)

Wer den Kana­di­er liest, dem soll­te schnell däm­mern, dass die Fra­ge, ob Face­book nun „Fluch oder Segen” sei oder der Frust über die Ortho­gra­phie in Chat­ver­läu­fen nur an der Ober­flä­che des Medi­ums krat­zen. Die Ver­än­de­run­gen, die das Inter­net aus­ge­löst hat und noch aus­lö­sen wird, lie­gen tie­fer. Sie erge­ben sich auch hier nicht aus dem Inhalt (Kat­zen­fo­tos), son­dern den beson­de­ren Eigen­schaf­ten des Medi­ums. Und mit dem Kul­tur­anthro­po­lo­gen Micha­el Wesch gespro­chen, könn­te eine Bot­schaft des Medi­ums Inter­net bei­spiels­wei­se lau­ten: „The machine is us/​ing us!“

 

 

Die Fra­gen, die Micha­el Wesch hier auf­wirft, sind Fra­gen, die in einer “inter­net­be­trie­be­nen” Gesell­schaft nun wirk­li­ch mal zu dis­ku­tie­ren wären, denn:

jedes Medi­um hat die Macht, sei­ne eige­nen Pos­tu­la­te dem Ahnungs­lo­sen auf­zu­zwin­gen.“ (McLu­han 1964: 26)

… aber es muss ja viel­leicht nicht gera­de am Früh­stücks­ti­sch sein.

Zum Anschau­en:

3Sat (2011). Sco­bel. Mar­shall McLu­han. Ein Visio­när des Medi­en­zeit­al­ters.

Quel­len:

McLu­han, Mar­shall (1964). Die magi­schen Kanä­le. Under­stan­ding Media. Düs­sel­dorf: Econ Ver­lag.

McLu­han, Mar­shall und Powers, Bru­ce (1995). The Glo­bal Vil­la­ge. Der Weg der Medi­en­ge­sell­schaft in das 21. Jahr­hun­dert. Pader­born: Jun­fer­mann Ver­lag.

Autor:

Kai Hau­prich

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Ein Freund, ein guter Freund.

Der Men­sch ist ein sozia­les Wesen und von Zeit zu Zeit sind wir selbst­ver­ständ­li­ch auch auf die Unter­stüt­zung von Freun­dIn­nen oder Bekann­ten ange­wie­sen. Über unse­re Bezie­hun­gen zu ande­ren Men­schen gelan­gen wir an wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen, sie hel­fen uns in schwie­ri­gen Lebens­si­tua­tio­nen, ver­mit­teln uns Ver­hal­tens­wei­sen und Kul­tur­tech­ni­ken, oder geben uns emo­tio­na­le Unter­stüt­zung und Rück­halt. Das Netz unse­rer Bezie­hun­gen zu Fami­lie, Freun­dIn­nen und Bekann­ten bil­det unser soge­nann­tes „Sozi­al­ka­pi­tal“. Dar­un­ter ver­steht der fran­zö­si­sche Sozio­lo­ge Pier­re Bour­dieu (von Hau­se aus Phi­lo­so­ph)

die Gesamt­heit der aktu­el­len und poten­ti­el­len Res­sour­cen, die mit dem Besitz eines dau­er­haf­ten Net­zes […] gegen­sei­ti­gen Ken­nens oder Aner­ken­nens ver­bun­den sind; oder, anders aus­ge­drückt, es han­delt sich dabei um Res­sour­cen, die auf der Zuge­hö­rig­keit zu einer Grup­pe beru­hen.“ (Bour­dieu 1992: 63)

Die­ses Bezie­hungs­netz­werk muss von uns aller­dings stets gepflegt wer­den, da es durch das Prin­zip der Gegen­sei­tig­keit (Rezi­pro­zi­tät) zusam­men­ge­hal­ten wird: Wer nach dem Mot­to lebt „Du hilfst mir und im Gegen­zug wird mir von dir gehol­fen (The Simpsons)“, von dem füh­len wir uns schnell aus­ge­nutzt. Und da unser aller Zeit begrenzt ist müs­sen wir – bewusst oder unbe­wusst – stets Ent­schei­dun­gen dar­über tref­fen, wel­che Bezie­hun­gen uns wich­tig sind; wel­che wir auf­recht­erhal­ten wol­len und wel­che wir „ein­schla­fen las­sen“. Wäh­rend eini­ge Men­schen lie­ber auf weni­ge, dafür aber enge Bezie­hun­gen zu Freun­dIn­nen zäh­len („Men­schen auf die man sich immer ver­las­sen kann“), ken­nen ande­re sprich­wört­li­ch “Gott und die Welt”; dafür aber eher ober­fläch­li­ch.

Ler­nen Ver­tre­te­rIn­nen die­ser bei­den Lebens­kon­zep­te sich neu ken­nen – viel­leicht bei der Umzugs­hil­fe eines gemein­sa­men Bekann­ten –, so kann es schon ein­mal zu hit­zi­gen Debat­ten dar­über kom­men, wel­che Bezie­hun­gen nun „wert­vol­ler“ sei­en. Sozi­al­wis­sen­schaft­le­rIn­nen, die in die­sem kri­ti­schen Moment nicht schnell genug hin­ter den Umzugs­kar­tons in Deckung gehen, wer­den kur­zer­hand – die Rück­wand eines Bil­ly Regals unter dem rech­ten Arm, das Trep­pen­haus hin­un­ter­pol­ternd – zu Schieds­rich­te­rIn­nen des Streit­ge­sprächs beru­fen. Wel­ches Bezie­hungs­kon­zept ist nun das bes­se­re? Aus Sicht der Wis­sen­schaft muss das Urteil natür­li­ch ein­mal mehr lau­ten: Es kommt ganz dar­auf an!

Gemein­sam durch dick und doof.

Der Wert enger Bezie­hun­gen – die Netz­werkana­ly­se spricht von „strong ties“ (vgl. Gra­no­vet­ter 1973) – liegt auf der Hand: sie sind ver­läss­li­ch, bestän­dig und belast­bar. Emo­tio­na­le Unter­stüt­zung erhal­ten wir typi­scher­wei­se von „guten“, „ech­ten“ Freun­dIn­nen oder Fami­li­en­mit­glie­dern. Mate­ri­el­le Unter­stüt­zung oder Hil­fe in beson­ders schwe­ren Lebens­la­gen kön­nen wir uns am ehes­ten von die­sen Bezie­hun­gen erhof­fen (vgl. Steg­bau­er 2010: 672). Auch die Ver­mitt­lung von kom­plex­em Wis­sen gelingt in vie­len Fäl­len bes­ser über strong ties (vgl. Ricken und Seidl 2010: 102). Das Pro­blem mit die­ser Art von Bezie­hung ken­nen wir alle nur zu gut aus dem All­tag: enge Bezie­hun­gen wol­len gepflegt wer­den, neh­men viel Zeit in Anspruch, for­dern viel Auf­merk­sam­keit (vgl. Jan­sen und Diaz-​Bone 2014: 75). Der Über­gang von einer star­ken in eine schwä­che­re Bezie­hung wird des­halb häu­fig ein­ge­lei­tet mit dem Satz: „Von dir hört man ja auch nichts mehr!“.

Hände

Sozi­al­ka­pi­tal und sozia­le Unter­stüt­zung: Was soll das nun ganz kon­kret sein? Ein Netz­werk aus star­ken und schwa­chen Bezie­hun­gen?

Eini­ge Schwä­chen oder nega­ti­ve Effek­te, die enge Bezie­hun­gen und Freund­schaf­ten mit sich brin­gen, lie­gen in der Art und Wei­se begrün­det, wie wir unse­re Freun­dIn­nen wäh­len. Häu­fig ten­die­ren wir dazu Men­schen, die uns ähn­li­ch sind oder die ähn­li­che Eigen­schaf­ten oder Ein­stel­lun­gen haben, beson­ders sym­pa­thi­sch zu fin­den (vgl. Her­kner 1978; Frey 1997: 214ff) – die­sen Effekt bezeich­net man als Homo­phi­lie (vgl. Heid­ler 2010: 367). Im Volks­mund: „Gleich und gleich gesellt sich gern!“ Im Umkehr­schluss beein­flus­sen unse­re Bezie­hun­gen zu bestimm­ten Men­schen auch unse­re eige­nen Ein­stel­lun­gen – je inten­si­ver die Bezie­hung desto stär­ker der sozia­le Ein­fluss (vgl. Osgood und Tan­nen­baum 1955). Die Kon­se­quenz: Ähn­li­che Men­schen fin­den sich häu­fi­ger zusam­men als unähn­li­che; je stär­ker die Bezie­hun­gen unter­ein­an­der, desto homo­ge­ner wird die Grup­pe mit der Zeit. Aus­nah­men bestä­ti­gen wie so oft die Regel!

Grup­pen mit sehr engen Bezie­hun­gen ten­die­ren – so der worst case – jedoch auch zu soge­nann­ter sozia­ler Schlie­ßung d.h. “Nor­men und Iden­ti­tä­ten wer­den immer wie­der bestä­tigt. Abweich­ler und Neu­ar­ti­ges wer­den aus­ge­schlos­sen” (Jan­sen 2006: 107). Es kommt also zu homo­ge­nen Mei­nun­gen, Sicht- und Hand­lungs­wei­sen (vgl. Schei­deg­ger 2010: 149). In bestimm­ten „fest­ge­fah­re­nen“ Lebens­si­tua­tio­nen kann es des­halb – die „Nest­wär­me“ der eige­nen Grup­pe in allen Ehren – durch­aus sinn­voll sein, sich den Rat eines/​einer sprich­wört­li­ch „Außen­ste­hen­den“ ein­zu­ho­len, um alter­na­ti­ve Sicht­wei­sen ken­nen zu ler­nen.

Jeman­den ken­nen, der jeman­den kennt.

Der Nach­teil schwa­cher Bekannt­schaf­ten liegt im Umkehr­schluss auch nahe: sie sind wenig belast­bar, wenig bestän­dig, vie­les „kann man nicht ver­lan­gen“. Außer­dem kann die Annah­me von Unter­stüt­zung stets mit Scham, einem Unter­le­gen­heits­ge­fühl oder Ver­pflich­tun­gen zur Gegen­leis­tung ver­bun­den sein (vgl. Die­wald und Satt­ler 2010: 690) – und bei schwa­chen Bezie­hun­gen gilt das umso mehr.

Ander­seits haben die soge­nann­ten weak ties einen ganz beson­de­ren Char­me: Sie bau­en uns oft Brü­cken in sozia­le Krei­se und Lebens­wel­ten von denen wir son­st oft aus­ge­schlos­sen sind. Put­nam bezeich­net dies als Bridging Soci­al Capi­tal (vgl. Haug 2010: 248). Klas­si­sche Orte zum Brü­cken­bau: Sport­clubs, Schüt­zen­ver­ei­ne oder Glau­bens­ge­mein­schaf­ten! Über ein „gemein­sa­mes Drit­tes“ begeg­nen sich hier Men­schen, die son­st wohl eher unwahr­schein­li­ch in Kon­takt kämen.

Auf die­se Wei­se gelangt man an Infor­ma­tio­nen oder Hilfs­mög­lich­kei­ten, die son­st uner­reich­bar blie­ben – nicht zuletzt macht man hier neue, berei­chern­de Erfah­run­gen. Mark Gra­no­vet­ter (1973) konn­te in sei­ner berühm­ten Arbeit „The Streng­th of Weak Ties“ zei­gen, dass schwa­che Bezie­hun­gen z.B. bei der Job­su­che als Infor­ma­ti­ons­quel­le beson­ders nütz­li­ch sind. Und auch der ein oder ande­re Sport­ver­ein lebt ein Stück weit davon, dass hier Bekannt­schaf­ten zwi­schen Men­schen unter­schied­lichs­ter Her­kunft ent­ste­hen und sich so Exper­tIn­nen für alle Lebens­la­gen fin­den las­sen. Men­schen, die es schaf­fen (und aus­hal­ten) ver­schie­de­ne Grup­pen als Brü­cke zu ver­bin­den – soge­nann­te „bro­ker“ –, denen spricht die Netz­werkana­ly­se eine beson­ders gro­ße Inno­va­ti­ons­kraft zu:

Peop­le who­se net­works bridge the struc­tu­ral holes bet­ween groups have an advan­ta­ge in detec­ting and deve­lo­ping rewar­ding oppor­tu­nities. Infor­ma­ti­on arbi­tra­ge is their advan­ta­ge. They are able to see ear­ly, see more broad­ly, and trans­la­te infor­ma­ti­on across groups.” Burt (2004: 354)

Wem nun der Kopf raucht vor lau­ter sozi­al­wis­sen­schaft­li­chem Bezie­hungs­kal­kül, dem kann gera­ten wer­den noch die letz­ten Umzugs­kar­tons in den Sprin­ter zu laden und mit sei­nen neu­en Bekannt­schaf­ten etwas Küh­les trin­ken zu gehen. Denn zu sozia­ler Unter­stüt­zung zählt schein­bar auch ein­fach „Gesel­lig­keit inso­fern sie zu einer posi­ti­ven Gemüts­la­ge bei­trägt bzw. Spaß macht“ – so zumin­dest Die­wald und Satt­ler (2010: 691).

 

Zum Wei­ter­le­sen:

Die­wald, Mar­tin und Satt­ler, Sebas­ti­an (2010). Sozia­le Unter­stüt­zungs­netz­wer­ke. In: C. Steg­bau­er und R. Häuß­ling (Hrsg), Hand­buch Netz­werk­for­schung (S. 689–699). Wies­ba­den: VS Ver­lag für Sozi­al­wis­sen­schaf­ten.

Frey, Die­t­er (1997). Sozi­al­psy­cho­lo­gie: Ein Hand­buch in Schlüs­sel­be­grif­fen. Wein­heim: Beltz.

Gra­no­vet­ter, Mark S. (1973). „The Streng­th of Weak Ties”, Ame­ri­can Jour­nal of Socio­lo­gy, 78 (6), 1360–1380.

Jan­sen, Doro­thea und Diaz-​Bone, Rai­ner (2014). Netz­struk­tu­ren als sozia­les Kapi­tal. In: J. Wey­er (Hg.), Sozia­le Netz­wer­ke: Kon­zep­te und Metho­den der sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Netz­werk­for­schung (S. 71–104). Mün­chen: De Gruy­ter Olden­bourg.

Schei­deg­ger, Nico­li­ne (2010). Struk­tu­rel­le Löcher. In: C. Steg­bau­er und R. Häuß­ling (Hrsg.), Hand­buch Netz­werk­for­schung (S.145–155), Wies­ba­den: VS Ver­lag für Sozi­al­wis­sen­schaf­ten.

Quel­len:

Bour­dieu, Pier­re und Stein­rü­cke, Maga­re­ta (Hrsg.) (2005). Die ver­bor­ge­nen Mecha­nis­men der Macht. Schrif­ten zu Poli­tik und Kul­tur. Ham­burg: VSA-​Verlag.

Burt, Ronald S. (2004). “Struc­tu­ral Holes and Good Ide­as”, Ame­ri­can Jour­nal of Socio­lo­gy, 110 (2), 349–399.

Haug, Son­ja (2010). Sozia­le Netz­wer­ke und sozia­les Kapi­tal. Fak­to­ren für die struk­tu­rel­le Inte­gra­ti­on von Migran­ten in Deutsch­land. In: M. Gam­per und L. Reschke (Hrsg.), Kno­ten und Kan­ten: Sozia­le Netz­werkana­ly­se in Wirtschafts- und Migra­ti­ons­for­schung (S. 247–273). Bie­le­feld: Tran­script.

Heid­ler, Richard (2010). Zur Evo­lu­ti­on sozia­ler Netz­wer­ke. Theo­re­ti­sche Impli­ka­tio­nen einer akteurs­ba­sier­ten Metho­de. In: C. Steg­bau­er (Hg.), Netz­werkana­ly­se und Netz­werk­theo­rie: Ein neu­es Para­dig­ma in den Sozi­al­wis­sen­schaf­ten (S. 359–373). Wies­ba­den: VS Ver­lag.

Her­kner, Wer­ner (1978). Kon­takt, Sym­pa­thie und Ein­stel­lungs­ähn­lich­keit: Unter­su­chun­gen zur Balan­ce­theo­rie. Bern: H. Huber.

Jan­sen, Doro­thea (2006). Ein­füh­rung in die Netz­werkana­ly­se. Grund­la­gen, Metho­den, For­schungs­bei­spie­le. Wies­ba­den: VS Ver­lag für Sozi­al­wis­sen­schaf­ten.

Osgood, Charles und Tan­nen­baum, Per­cy (1955). “The Prin­ci­ple of congrui­ty in the pre­dic­tion of atti­tu­de chan­ge”, Psy­cho­lo­gi­cal Review, 62 (1), 42–55.

Ricken, Boris und Seidl, David (2010). Unsicht­ba­re Netz­wer­ke: Wie sich die sozia­le Netz­werkana­ly­se für Unter­neh­men nut­zen lässt. Wies­ba­den: Gab­ler.

Steg­bau­er, Chris­ti­an und Häuß­ling, Roger (Hrsg.) (2010). Hand­buch Netz­werk­for­schung. Wies­ba­den: VS Ver­lag für Sozi­al­wis­sen­schaf­ten.

Autor:

Kai Hau­prich

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