Digitalität in der Sozialen Arbeit – es bewegt sich was!

Wer sich mit Digi­ta­li­tät in der Sozia­len Arbeit beschäf­tigt – also der Frage, wie sich die „Pro­duk­tion von Wohl­fahrt“ durch die Digi­ta­li­tät ver­än­dert – kann erstaun­li­che und dabei oft wider­sprüch­li­che Erfah­run­gen machen: schlichte Igno­ranz steht unver­mit­telt neben gro­ßer Begeis­te­rung; inno­va­tive digi­tale „Auf­he­bun­gen“ reagie­ren auf die beson­de­ren struk­tu­rel­len Bedin­gun­gen des Fel­des und dane­ben agie­ren ana­loge Akteure ohne jedes Inter­esse am WEB 2.0.

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Tho­mas Münch war auf dem “Bar­camp Soziale Arbeit” 2016.

Nun könnte man mit einem Ach­sel­zu­cken zur Tages­ord­nung über­ge­hen und sich auf Wolf­gang Sei­bel und sei­nen „funk­tio­na­len Dilet­tan­tis­mus“ (Sei­bel 1994) beru­fen – so ist sie halt, die Pro­fes­sion. Oder kann man einen neuen und inter­es­sier­ten Fokus auf die Ent­wick­lung des Digi­ta­len in der Sozia­len Arbeit legen, um zu schauen was, wie und wohin es sich dort gerade ent­wi­ckelt.

Und genau das haben die Initia­to­rin­nen und Initia­to­ren des ers­ten „Bar­camp Soziale Arbeit“  in Bonn getan; einen neuen und enga­gier­ten Blick auf die Pro­fes­sion unter­nom­men. An den bei­den Tagen Ende Novem­ber in Bonn tra­fen sich Prak­ti­ke­rin­nen und Prak­ti­ker, Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus Hoch­schule und Inter­es­sierte aus der Digi­ta­len Welt zu einer ers­ten Bestands­auf­nahme. Her­aus kamen einen Viel­zahl von „Ses­si­ons“ – der Grund­bau­stein eines Bar­camp im Sinne von kur­zen Arbeits­ein­hei­ten zu einem bestimm­ten Thema – die einen ers­ten Blick auf die Wirk­lich­keit des Digi­ta­len in der Sozia­len Arbeit erlau­ben.

Natür­lich wur­den auch Hemm­nisse beschrie­ben, aber vor allem wurde aus Ver­bän­den, Ver­ei­nen und Pro­jek­ten berich­tet, in denen lang­sam aber sicher das Ana­loge durch das Digi­tale ersetzt wird. Da ist oft „Ver­such und Irr­tum“ die Methode der Wahl, da sind Lei­tungs­ka­der völ­lig ver­wirrt ange­sichts der hier­ar­chi­schen Ver­wüs­tun­gen, die das Digi­tale anrich­tet, da wer­den neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men erprobt und über unbe­ab­sich­tigte Neben­fol­gen dis­ku­tiert – bunt ist die neue digi­tale Welt in der Sozia­len Arbeit!

Man­che Ses­sion lie­ferte einen wun­der­ba­ren, ana­ly­ti­schen Blick in die Para­dig­ma­wech­sel, die sich dort in der digi­ta­len Pra­xis längst voll­zie­hen: Chris­tian Mül­lers Berichte aus den orga­ni­sa­tio­na­len Kon­se­quen­zen und Ver­än­de­run­gen der Digi­ta­li­tät waren zum Bei­spiel ein­fach wun­der­bar in ihren prä­zi­sen und dich­ten Beschrei­bun­gen und beru­hig­ten gleich­zei­tig die eige­nen dünn gewor­de­nen Ner­ven ange­sichts einer zähen Pra­xis.

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Hier geht es zum Fach­tag “Sozial im Netz”, der am 24.01.2017 in Köln statt­fin­det!

Die Kaf­fee­pau­sen boten aus­rei­chend Raum und Zeit für Ideen, Anre­gun­gen, Fra­gen und Kon­takte – auch dar­auf ach­te­ten die Orga­ni­sa­to­rin­nen des Bar­camp – und wie es sich für ein Bar­camp zur Digi­ta­li­tät gehört, war das Echo im Digi­ta­len (#sozi­al­camp) in Echt­zeit.

Dabei wird es nicht blei­ben: „Twit­ter­stamm­ti­sche“ und „Labs“ (@SabineDepew) sind geplant  und bereits Ende Januar wird der Fach­tag „Sozial im Netz“ – eine Koope­ra­tion von Cari­tas­ver­band Köln, Diö­ze­san Cari­tas­ver­band Erz­bis­tum Köln und der Hoch­schule Düs­sel­dorf HSD – den nächs­ten Schritt in der Digi­ta­li­tät der Sozia­len Arbeit gehen.

Wenn es denn stimmt, dass die „Zukunft der Sozia­len Arbeit digi­tal ist“ – so der Unter­ti­tel des Fach­ta­ges im Januar 2017 – dann hat sich die Pro­fes­sion bereits auf den rich­ti­gen Weg gemacht.

Oder wie es Felix Stal­der – einer der bei­den Keyno­tespea­ker auf dem Fach­tag „Sozial im Netz“ for­mu­liert:

Sol­che Ver­fah­ren des Sich-​Einschreibens in die Welt durch Hin­wei­sen, Ver­bin­den und Ver­än­dern wer­den ange­wandt, um durch das eigene Han­deln in der Welt Bedeu­tung zu schaf­fen und um sich selbst in ihr zu kon­sti­tu­ie­ren, für sich und für andere (…) Dies nicht zu tun, würde zu Unsicht­bar­keit und Vergessen-​Werden füh­ren.“ (Stal­der 2016: 123).

Wir sind gespannt, wie sich die Soziale Arbeit in die „schöne neue Welt“ ein­schrei­ben wird!

 

Lite­ra­tur:

Sei­bel, Wolf­gang (1994). Funk­tio­na­ler Dilet­tan­tis­mus. Baden-​Baden.

Stal­der, Felix (2016). Kul­tur der Digi­ta­li­tät. Ber­lin.

Autor:

Tho­mas Münch

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